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Vorm Spiegel müde stehend, mich anblickend, denkend: ich hab keine Lust auf den Tag, keine Lust auf die Yogapraxis heute früh.
Ich wischte ich über dieses Gefühl hinweg Disziplin , geht schon, auf geht’s.
Angezogen und in Eile, Tasche geschnappt, rannte die Treppe runter – scheiße ist die schwer. Und gleich auf dem Fahrrad – ob das klappt und gut geht. Wird schon. Gedanke wieder weg.
Keine Lust heute…Widerstand. Da wars schon wieder.
Und im Anschluss noch nen Termin.. Habe ich alles dabei an Unterlagen ? Hab ich die richtige Hose eingepackt?
Warum bin ich in den letzten Wochen ständig gehetzt? – die erste Frage heute über die ich nicht hin wegwische. Die Frage blinkt wie pinke Leuchtreklame in meiner Stirn.
Ich hänge nach, lasse die letzten Tage Revue passieren während ich hektisch radle um einigermaßen pünktlich zu kommen.
Die letzten Wochen: Ständig zu spät. Ständig in Eile. Leidvoll hasse ich diesen Zustand. Neidvoll blicke ich auf alle Ausschnitte der Facebook-Leben, die da Zeit und Laune auf und fürs Leben zu haben scheinen.
Ich weiß dass es Ausschnitte sind, ich weiß, dass sie wirken. Wie Werbung. Das will ich auch.
Und da ist noch was, irgendwo in mir vergraben:
ein, ein untrügliches Gefühl, das mich wissen lässt: LEBE WIE ES DIR GUT TUT UND ALLES REGELT SICH VON ALLEIN.
Folge Deinem Herz und alles regelt sich von allein. Immer wieder.
Ja – der Anfang des Satzes ist das Schwierige.

Gedanken weg und zurück ins JETZT – ich realisiere, dass mich die Autofahrerin nicht sieht, versuche bergab fahrend zu bremsen und weiß es knallt jetzt, in meinem Herz die Eingebung: SEI WIE WASSER.
Ich spüre sofort Schmerzen, fliege, Lande auf meinen Füßen, donnere meine Pranken auf die Motorhaube des Autos und brülle : SCHEIßE!
Ich taumele, mehrere Menschen reden auf mich ein, die Fahrerin steigt aus.
Die Fahrerin ist jung, ich muss mich setzen. Nein ich will und brauche keinen Krankenwagen. Ich muss zur Fortbildung. Ich muss, muss , muss funktionieren —
Ich schaue mein zerstörtes Fahrrad an, weine und realisiere langsam was passiert ist.
Sei wie Wasser- ich bin über das Auto geflogen.
Mein Oberschenkel pocht, mein linker Arm tut weh. Meine Strumpfhose ist heil geblieben.
Der Krankenwagen kommt, ich hab Glück – so viele nette Menschen um mich , die alles übernehmen. Sie tun, was angesagt ist. Wieder tausend Gedanken- unter anderem: öfter mal andere tun lassen – Kontrolle abgeben?
Ich bin gestoppt worden vom Leben selbst. In meinem Tun bin ich gestoppt worden. Und in meinen Gedanken.
Ich werde ruhiger, liege im Krankenwagen. Spüre die Schmerzen stärker werden.
So viele Menschen für die ich dankbar sein kann.
Und gleichzeitig Fragen. Viele Fragen. Ab jetzt alles langsamer.
Wie kann ich langsamer werden ? Wie kann ich mein Leben langsamer gestalten. Mehr Ruhe. Mehr Entspannung. Mehr Zeit. Oder vor allem – ZEIT.

Dieser Aufprall, dieser Unfall hat etwas mit mir gemacht wofür ich krass dankbar bin.
Er hat mich wach gemacht. Wach gemacht für die Entspannungsphasen, in denen ich regenerieren darf, kann, muss.
Auch wenn ich das Glück habe mich mit erfüllenden Sachen zu beschäftigen – auch hier ist es irgendwann genug für Körper , Geist und Seele.
Genug Input.
Nichts tun. Einfach mal nichts tun. Also was lesen ? NEEEE – nichts tun.
Einfach auf dem Rücken liegen und nichts tun.
Wie geht das ? Tagelang hab ich geübt. „Geübt“ nichts zu tun.
Zwangsweise. Und es war anstrengend im NICHTS-TUN zu bleiben.
Nichts tun. Nichts wollen. Loslassen sozusagen.
Einfach Loslassen.
HA.

Vier einfache Ideen das NICHTS TUN wieder zu integrieren…

1.Mach Dich locker
Der Typ braucht einfach eine Extra-Einladung. Und er ist zuständig für Erholung und Regeneration in unserem vegetativen Nervensystem. Und sein agiler Bruder, der Sympatikus beschäftigt uns ja eh schon den ganzen Tag – weil wir ja soooo beschäftigt sind….
Genauso dürfen wir uns ganz bewusst zum NICHTSTUN entscheiden.
Und Dein ganzer Körper darf sich auch mit drauf einstellen.

2.Beobachten
Sitzen und Beobachten. Am Besten draußen. Fußgängerzone im Café oder am Waldrand auf der Bank.
Ohne Ziel. Ohne Grund. Einfach so.
Das sind eben diese „Urlaubsmomente“, die wir uns im Alltag erschaffen können…
Nicht immer einfach, aber möglich.
„Einfach“ nur beobachten, freuen, genießen.

3.Nein sagen
Ich weiß schon, wann „der eine Termin“ zu viel ist. Sag ich dann NEIN ?
Manchmal gelingt es.
Es ist eine tolle Aufgabe, mal Nein zu sagen, wenn wir spüren , dass es zu viel ist, ohne krank zu sein .
Meine Yoga-Ausbilderin sagte mal : „ .. ihr müsst nicht erst krank sein um NEIN zu sagen. Es muss uns nicht erst schlecht gehen , um zu uns zu stehen.“
Wir haben bestimmt alle ein Gefühl, dass uns anzeigt, wann es zu viel ist.
Lasst es uns umsetzen – es lohnt sich!

4.Sinne
Alle Sinne aktivieren. Sehen, Hören, Riechen, Schmecken, Tasten. Und: ATMEN.
Das süße Nichtstun im Moment entdecken. Elektronische Geräte OFF- außer Reichweite. Im Moment sein. Eine Erweiterung von Punkt 2. Sinne wahrnehmen. Achtsam sein. Üben. Nicht perfekt sein.